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Bewegungsimpuls des Menschen

Jeder Garten wird von einem Wegenetz durchzogen. Sie können durch reizvolle Oasen führen oder sich schier endlos durch Grünland schlängeln.

 

Entscheidend dafür, ob wir diese Wege als harmonisch, stimmig und angenehm empfinden, ist der Verlauf dieser Wege:

 

„Denn der Bewegungsfluss eines Menschen folgt den Gesetzmäßigkeiten des Wassers, das sich an bestimmte Bahnen hält.“

So Friedrich Ludwig Sckell, deutscher Gartenarchitekt (1750-1823).

 

Er legte schon damals Wege an, die diesen Bewegungsimpuls des Menschen berücksichtigen. Er ließ die Wege sanft schwingen, wie ein Wasserstrom durch die Landschaft fließen.

 

Der deutsche Landschaftsarchitekt Günther Grzimek (1915-1996) drückte es so aus:

„Der Mensch geht wie das Wasser fließt – komme, was da wolle“.

 

Auch Menschen mit Demenz folgen diesem Bewegungsimpuls oder besser gesagt, gerade Menschen mit Demenz brauchen diese energetische Spur, der sie folgen können.

 

Immer wieder beobachte ich, dass Wege, die sanft fließen, häufiger gegangen werden – selbst wenn Gefälle oder anderes Unwegsames Hindernisse bilden.

 

Oft werden manchmal sogar Rollatoren und Rollstühle über Schotter und Rasen gezerrt, nur weil dort eben der natürliche Bewegungsimpuls entlangführt.

 

Häufig muss ich schmunzeln, wenn ich sehe wie ausdauernd Bewohner und Mitarbeiter sein können, wenn es darum geht, die Wegeführung anzupassen:

 

Jeder kennt sie, die Trampelpfade oder Schleichwege, die darauf hinweisen, dass bei der Planung eine simple Tatsache vergessen wurde: Dass Menschen eben anderen Impulsen gehorchen als den sorgfältigen Planungen auf dem Reißbrett.

 

Praxistipp:

Probieren Sie es selbst aus. Wandern sie durch ihren Garten und achten Sie genau darauf, wohin ihre Aufmerksamkeit gelenkt wird. Was zieht Sie an? Wohin wird Ihre Bewegung gelenkt? Üben sie vielleicht erstmal in einem fremden Garten oder Park, bis sie mehr und mehr ein Gefühl dafür entwickeln.

 

Oder sie bauen ein kleines Modell ihres Gartens auf stabile Pappe oder Holz. Eine Unterlage, die der Grundstücksform entspricht ist für den Anfang ausreichend. Formen sie aus Ton oder Knete entlang der Grundstücksgrenze eine kleine Mauer. Nun lassen sie durch den Eingang langsam Wasser in den Garten laufen, halten das Modell dafür etwas schräg. Sie werden sofort erkennen welche Bereiche nicht vom Wasser erreicht werden, wo das Wasser schnell fließt, wo sich kleine Pfützen bilden etc.

 

Nun können Sie beginnen, Ihren Gartenmodell einzurichten mit Bäumen, Hügeln, Wegen etc. Wie fließt das Wasser nun? Wo bleibt es trocken? Wo bilden sich Pfützen?

 

Übrigens, in meinen Seminaren vertiefen wir dieses Wissen.

 

Fotos: Huber, Bernd Sterzl, beides pixelio


Der dritte Frühling

Gärten für Menschen mit Demenz

 

Ulrike Kreuer


Dipl.Ing.
 Gartenbau(FH)



Gartentherapeutin 
nach IGGT

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