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Ein Garten stiftet Beziehungen

Der Handlungsspielraum einer an Demenz erkrankten Person scheint mit Fortschreiten der Krankheit immer enger zu werden. Es müssen sich andere Wege zeigen, um die Identität so lange wie möglich halten zu können. Nimmt die aktive Handlungsfähigkeit ab, so erlebt und erfährt ein Mensch sich weiterhin durch Beziehungen. Martin Buber – österreichisch-israelischer Religionsphilosoph, 1878-1965 – sagt dazu:

 

Beziehung kann bestehen, auch wenn der Mensch, zu dem ich Du sage, in seiner Erfahrung es nicht vernimmt.

 

Beziehungen sind wie Reiseführer in einem unbekannten Land. Sie führen mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen behutsam durch eine fremde Welt. Ein Reiseführer weiß, dass Kontakt nicht nur über verbale Kommunikation möglich ist und dass über die Sprache nur ein Bruchteil an Kontakt vermittelt wird. Viel wichtiger sind die Körpersprache und der Ausdruck von Gefühlen als eine Abfolge kleiner Interaktionen, die manchmal so winzig erscheinen, dass wir sie oftmals so wenig wertschätzen.

Tom Kitwood – englischer Psychogerontologe, 1937-1998 – nannte diese Abfolge an Interaktionen die ‚Perlen auf einer Schnur‘. Ein kurzer Blick, ein in die Augen schauen und die Welt ist nicht mehr ganz so fremd. Eine Summe an kleinen Perlen, die wie eine Kette einen Anker bilden.

 

Es gibt eine Fülle an Möglichkeiten, eine Perle aufzufädeln. Für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen aber auch für pflegende und helfende Personen hält der Garten vielfältige Möglichkeiten bereit.

Während meiner Projekte begegnen mir immer wieder Betreuer, Praktikanten oder Schüler, die gerade am Anfang noch sehr unsicher sind im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen. Oftmals unterstützen sie in der Ferienzeit während der Sommermonate das Pflege- und Betreuungsteam. Denn dann, wenn der Garten am schönsten ist und die Sonne nach draußen lockt, sind Angehörige oder Pflegekräfte oftmals im wohlverdienten Sommerurlaub.

 

Wie dankbar waren viele dieser Hilfskräfte für die Unterstützung, die im Garten zu finden war:

 

Einen Weg durch den Garten gemeinsam gehen oder nebeneinander auf einer Bank im Grünen sitzen. Sich die Sonne auf die Nase scheinen lassen und über die Größe des Erdbeerkuchens verhandeln. Mit dem Wasser des Brunnens spielen oder gemeinsam dem Regen lauschen. Zusammen mit den Händen in der Erde wühlen und gemeinsam Kartoffeln setzen. Sich an den Düften des Gartens durch seine Kindheit schnüffeln oder auf den Frühling warten.

 

Es braucht keine Worte, um gemeinsam zu sein. In Beziehungen von Mensch zu Mensch können sich Herzen begegnen, unabhängig von der Schwere einer Demenz.

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Der dritte Frühling

Gärten für Menschen mit Demenz

 

Ulrike Kreuer


Dipl.Ing.
 Gartenbau(FH)



Gartentherapeutin 
nach IGGT

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