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Der Schritt in den Garten

„Der größte Schritt ist der aus der Tür“ sagt schon ein altes Sprichwort. So ist auch der erste Schritt in den Garten ein entscheidender Schritt. Nur er ermöglicht, dass weitere folgen können. Wie diese Schwelle in den Garten überwunden wird, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Manch einer ist verhalten und vorsichtig, jemand anderes schreitet neugierig und offensiv hinaus, wieder jemand anderes nimmt gar keine Schwelle wahr.

 

Die scheinbar so einfache Handlung, nach draußen zu gehen, kann für Menschen mit Demenz eine unüberwindbare Hürde darstellen. Die Geräusche verändern sich und der Duft. Mal ist es kalt und windig, ein anderes Mal warm oder heiß.

 

Der Bodenbelag verändert sich und das Gehen wird irgendwie anders, manchmal sogar beschwerlicher auf stumpfen Beton.

 

Für einen Menschen, der an Demenz erkrankt ist, kann ein Farb- und Materialwechsel des Bodenbelags eine unüberwindbare Barriere darstellen. Der Boden, gerade noch hell und freundlich, wird plötzlich nicht mehr als sicherer Untergrund wahrgenommen. Zum Beispiel werden Fugen, Rillen oder Querstreifen in dunklem Betonpflaster oftmals als Stufen oder Abgrund erlebt und bremsen den Weg nach Draußen.

 

Menschen mit Demenz brauchen an der Schwelle nach Draußen eine Spur, der sie folgen können.

Schon oft konnte ich während meiner Projekte erleben, wie einer einfachen Linienführung im Bodenbelag vertrauensvoll gefolgt wurde. Einmal beobachtete ich einen Herrn, der mit strahlendem Gesicht und offensichtlicher Freude einen Kantenstein entlangbalancierte. Nicht, dass der Kantenstein einem Schwebebalken glich, ganz im Gegenteil: Er war ebenerdig angelegt. Aber entlang dieser Spur hatte dieser Mann riesigen Spaß. Die Betreuerin erzählte mir, dass er sich ausschließlich entlang des Kantensteins im Garten bewegt.

 

Es gibt viele Möglichkeiten, damit Demenzkranke vertrauensvoll einen Garten betreten können: Eine kontrastreiche Wegeinfassung, die im Innenraum als farbige Markierung beginnt und sich Außen als Kantenstein fortgesetzt oder eine sinnlich duftende Wegeinfassung aus Stauden.

 

 

Und nicht nur Menschen mit Demenz fühlen sich entlang einer Linienführung sicher. Beobachten sie einmal ihr eigenes Verhalten. Woran orientieren sie sich?

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Der dritte Frühling

Gärten für Menschen mit Demenz

 

Ulrike Kreuer


Dipl.Ing.
 Gartenbau(FH)



Gartentherapeutin 
nach IGGT

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