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Gehen im Garten erwünscht

Innerhalb des Schutzraums ‚Garten‘ erfahren Menschen mit Demenz ein Stück Normalität. Es ist normal, sich frei bewegen zu können und diese Bewegungsfreiheit ist ein wichtiger Bestandteil selbst bestimmten Handelns.

 

Selbstbestimmung auch unter den Bedingungen von Demenz ist notwendige Voraussetzung für ein würdevolles Leben.

 

Im Garten lässt sich ungehindert jeder Bewegungsdrang ausleben, vorausgesetzt, dieser Garten ist geschützt und entsprechend der Fähigkeiten von Menschen mit Demenz gestaltet. Auch wenn ein Garten nur wenige Meter Wegstrecke bietet, ist eine Reise auf diesen Metern ein Stück Selbstverwirklichung.

 

Da traf ich zum Beispiel während eines Projekts einen ehemaligen Langstreckenläufer. Wie eingesperrt muss sich dieser Mann gefühlt haben, bevor es den Garten gab? Jetzt hat er wieder eine ‚Trainingsstrecke‘, auf der er neue Rekorde gehen kann. Und ich meine, dass man ihm sein Glück ansieht.

 

‚Schattenblick‘ schreibt zu diesem Thema:

„Forschungen der letzten zehn Jahre haben ergeben, dass Zufriedenheit und Wohlbefinden von Menschen mit Demenz in dem Maße steigen, in dem ihre Aktivität und das Umfeld, in dem sie leben, Elemente von Selbstbestimmung, Selbstwirksamkeit und Selbstverwirklichung enthalten.“

 

Oder da gibt es die alte Dame, die sich zurechtmacht für ihren Ausflug: Sie hüllt sich in einen schicken Mantel, wählt die dazu passende Lederhandtasche aus. Noch adrett die Haare frisiert und ein letzter prüfender Blick in den Spiegel. Jetzt ist sie bereit für ihre kleine Reise. Mit zufriedenem Gesicht startet sie das Unternehmen Ausflug durch den Garten. Es sind oft die kleinen Reisen, die das Leben strukturieren und lebenswerter machen.

 

Dieses Gehen oder ‚wandering‘ wird meist bei Menschen mit Demenz als ruheloses Umhergehen bezeichnet. Allzu oft reagieren die Betreuer auf dieses Verhalten mit einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Weist aber eine Ruhelosigkeit nicht gerade auf unerfüllte Bedürfnisse hin, denen man Raum schaffen sollte, statt sie zu unterdrücken?

Lesetipp:

In ihrem Buch „Ich muss nach Hause… „ vermitteln Marshall und Allan einen sensiblen und konstruktiven Umgang mit ruhelosem Umhergehen.

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Der dritte Frühling

Gärten für Menschen mit Demenz

 

Ulrike Kreuer


Dipl.Ing.
 Gartenbau(FH)



Gartentherapeutin 
nach IGGT

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